Mit diesem Artikel fing alles an

Bocholt/Key Largo. Sarah liebt ihn. Gleich bei der ersten Begegnung hat sie ihn ins Gesicht geküßt. Das große, graue Flossentier wirkt sanftmütig, man wird den Eindruck nicht los, daß es lächelt. Und kaum steigt Dominik ins Wasser, kommt die elegante Delphindame schon an seine Seite geschwommen und stupst ihn zärtlich an. Langsam schiebt das Tier den Jungen durch das Becken.


”Durch die Delphin-Therapie ist Dominik ganz verändert”, erzählt Sabine Schölwer. Sie hat ihren schwerbehinderten Sohn nach Florida begleitet. 14 Tage hat er sich in Key Largo behandeln lassen. Jeden Tag schwamm er zusammen mit einer Begleiterin und den Delphinen in einem Becken. Er hat mit ihnen gespielt, sich berühren lassen und kleine Kunststücke vorgeführt. Nach dem Schwimmen arbeitete die Therapeutin eine Stunde ”an Land” mit Dominik. ”Eine wunderbare Erfahrung”, sagt die Mutter. Die Verkrampfungen von Dominik haben sich gelöst. Er könne jetzt Arme und Beine wieder bewegen, berichten die Eltern, die mit Dominik nach Florida geflogen sind.

”Sehr erstaunt hat mich sein Blick”, sagt Sabine Schölwer. So klar, wie jetzt nach der Delphinbegegnung, hätten seine Augen noch nie ausgesehen. Dominik hat nun einen freundlichen, entspannten Blick trotz der erdrückenden Probleme, die dem Sechsjährigen seine Gesundheit macht.

Die Therapie koste insgesamt 20000 Mark, erklärt Sabine Schölwer. Für den kleinen Dominik wurde sie nur möglich durch die Spenden der Bocholter. Im vergangenen Jahr lud unter anderem der 1. FC Bocholt zu einer Benefizveranstaltung zu Gunsten von Dominik ein. Eine Bocholter Auswahl spielte gegen eine Prominentenelf der SG Wattenscheid. Dabei kamen über 5000 Mark zusammen. ”Insgesamt sind 24000 Mark gespendet worden”, sagt Sabine Schölwer. ”Wir bedanken uns bei allen Spendern ganz herzlich.”

Doch geheilt ist Dominik noch nicht. Vielmehr kommen die Ärzte erst langsam der Ursache für sein Leiden auf die Spur. Seit seinem sechsten Lebensmonat – nach der Behandlung mit einem Impfstoff – läuft Dominiks Entwicklung nicht normal. Plötzlich kann er seinen Kopf nicht mehr alleine halten, mit den Händen kann er nichts mehr greifen und essen kann er auch nicht mehr, berichtet seine Mutter. Mit zweieinhalb Jahren erleidet der kleine Junge zusätzlich epileptische Anfälle. Er bekommt starke Medikamente gegen diese Krankheit. Danach ist die Entwicklung von Dominik noch stärker gestört. Er verkrampft sich und sein Blick bekommt diesen verschwommenen Schleier, weiß die Mutter. Heute glaubt Sabine Schölwer, daß die Medikamente seine Situation verschlimmert haben.

Neuste Untersuchungen ergeben jetzt, daß Dominik an einer Stoffwechselerkrankung im Gehirn leidet. Die Ärzte in den USA bestätigen das. ”Leider ist das nicht früher erkannt worden”, so die Mutter. Ein bestimmtes Enzym fehle dem Gehirn von Dominik, sagen die Ärzte. Ein kleiner Defekt mit einer riesen Wirkung, heißt es. Jetzt soll der junge Patient den Stoff nachgereicht bekommen. Für diese Therapie muß der Junge wieder kleine Reisen unternehmen. Göttingen, Hannover, Nimwegen heißen die Stationen.

Nächstes Jahr fliegt Dominik wieder nach Florida. ”Wir haben einen zweiten Termin bei den Delphinen bekommen”, sagt die Mutter. Und es scheint so, als würde Dominik lächeln bei der Aussicht auf ein Wiedersehen mit Sarah.

Dominik


© Bocholter-Borkener Volksblatt veröffentlicht am: 30.06.1999 im Ressort: Bocholt